Wie haben sich die Pandemie-Einschränkungen auf die transnationalen Aktivitäten der Polizei Berlin ausgewirkt?

BT hat Kriminalhauptkommissarin Anja Sue gefragt, Koordinatorin der internationalen Projekte


BT (BERLIN TRANSFER): Wie haben sich die Pandemie-Einschränkungen auf die transnationalen Aktivitäten der Polizei Berlin ausgewirkt?

AS (Anja Sue): Ab Mitte März 2020 wurden hier alle Aktivitäten gestrichen, entweder seitens der Polizei Berlin oder der ausländischen Partner und in jedem Fall einvernehmlich. Prinzipiell wurden Mobilitäten zunächst ausgesetzt und man einigte sich mit den Partnern auf eine neuerliche Terminsetzung.Wenn absehbar war, dass die noch ausstehenden Aktivitäten in der noch vorhandenen Projektlaufzeit aufgrund der Covid-19-bedingten Einschränkungen nicht zu bewältigen sein würden, wurden Verlängerungen der Projektlaufzeit beantragt. Dies betraf:

- das Projekt „Safer Space for Safer Cities - SafeCi“ (Förderprogramm ISF Police) – Verlängerung durch die EU-Kommission bewilligt bis 06/21

- das Projekt „Police Academy Goes Europe“ (Förderprogramm Erasmus+) - Verlängerung bewilligt durch die NABiBB (Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung) bis 06/21.

BT: Konnten Sie die kurze Zeit der ‚Entspannung‘ im Sommer und Frühherbst ausnutzen?

AS: In Abstimmung mit der Behördenleitung wurden im Juli 2020, als eine Lockerung absehbar war bzw. z.T. erfolgte, Entscheidungsgrundlagen entwickelt, unter welchen Bedingungen projektbezogene Auslandsreisen angetreten werden dürfen. Die ursprünglich für Mai 2020 geplante Mobilität von vier Teilnehmenden nach Slowenien im Rahmen von „Have a European start III“ (Erasmus+) konnte im September 2020 nachgeholt werden. Der für Juni 2020 geplante dritte Workshop im „SafeCi“-Projekt wird nunmehr am 02./03.12.2020 virtuell stattfinden, lediglich die Berliner Projektverantwortlichen sind in der Räumlichkeit (unter Corona-konformen Hygienebedingungen) vor Ort.

BT: Welche Folgen hat die Verschiebung für die Auszubildenden?

AS: Für Teilnehmende der Zielgruppe „Auszubildende“ im Erasmus+ Programm wurde deren Zugehörigkeit zur Zielgruppe von 12 auf 18 Monate nach Beendigung ihrer Ausbildung verlängert. Im Projekt „Have a European start III“ (Erasmus+) fielen zwei bereits ausgewählte Teilnehmerinnen aufgrund der Verschiebung der Mobilität trotz der verlängerten Zugehörigkeitsdauer aus der Zielgruppe. Diese zwei Plätze werden für die Neu-Terminierung der Mobilität (voraussichtlich Mai 2021) neu ausgeschrieben.

BT: Planen Sie trotz der Ungewissheit zukünftige Projektaktivitäten?

AS: Trotz der derzeit ungewissen Situation sind alle beteiligten Stellen der Polizei Berlin offen für weitere Projektaktivitäten in der Zukunft. So zeigte sich die Polizeiakademie aufgeschlossen gegenüber einer Planung bis 2025, die im Rahmen der Beantragung der Akkreditierung für das neue Erasmus Programm (Deadline: 28.10.2020) erforderlich war, und formulierte Themen, Bedarfe und neue Zielgruppen für zukünftige Mobilitäten.

BT:  Wie haben die beteiligten Partnerorganisationen ihre Kommunikation und ihre Austauschaktivitäten angepasst? Sind dabei Lösungen gefunden worden, die sich positiv auf die transnationalen Aktivitäten ausgewirkt haben und sich in pandemiefreien Zeiten als normale Praxis etablieren könnten?

AS: Die Kommunikation mit den Partnerbehörden funktionierte trotz verstärkter Homeoffice-Tätigkeit überall in Europa reibungslos. Das Instrument der Videokonferenz wurde zügig etabliert und hat sich v.a. im Projekt „SafeCi“, aber auch im Austausch mit anderen Institutionen innerhalb Berlins, z.B. der HWR (Hochschule für Wirtschaft und Recht), bewährt. Da der Mehrwert der Zeit- und Kostenersparnis auch für pandemiefreie Zeiten erkannt wurde, wird es hier eine Fortführung geben. Virtuelle Mobilitäten, wie seitens der NABiBB empfohlen, sind für die Themen und Bedarfsträger der Polizei Berlin eher nicht praktikabel, da bei den geplanten Mobilitäten der Austausch praktischer Elemente (in der Polizeiausbildung für die Zielgruppe Ausbilder*innen / Berufsbildungspersonal wie auch im „JobShadowing“ für die Zielgruppe Lernende / Auszubildende) absolute Priorität hat.

BT: Welchen ‚Mehrwert‘ hat die transnationale Erfahrung für Auszubildende und Ausbilder*innen?

AS: Der Mehrwert für die Zielgruppe „Auszubildende“ ist ausführlich im Projektprofil „Have a European start II“ beschrieben. Neben den dort thematisierten „soft skills“ besteht er hauptsächlich in einer ersten Erfahrung praktischer polizeilicher Kooperation und der europäischen Dimension der polizeilichen Tätigkeit, auch mit der evtl. Zielrichtung weiterer internationaler Verwendungen wie FRONTEX- oder IPM (Internationale Polizeimissionen)-Einsätze. Hinzu kommen die Verbesserung der Sprachkompetenz und die positive Wahrnehmung der Polizei Berlin als Arbeitgeber, der internationale Verwendungen ermöglicht, und hieraus resultierend eine Erhöhung der Arbeitszufriedenheit und -motivation. Die Zielgruppe Berufsbildungspersonal / Ausbilder*innen benennt folgende Aspekte:

- das Kennenlernen von Good Practice und anderen Kenntnissen für die Ausbildungstätigkeit
- die Verbesserung des Wissens in den jeweiligen Fachgebieten
- den Aufbau neuer Kontakte für das berufliche Netzwerk
- die Verstärkung der Kooperation mit den Projektpartnern
- den Austausch mit ausländischen Kollegen*innen
- die Erweiterung ihrer Kenntnisse über andere europäische Bildungssysteme
- einen eigenen Beitrag zur Verbesserung der internationalen Ausrichtung der Polizei Berlin
- weitere Möglichkeiten der Beteiligung an europäischen Projekten
- die Verbesserung der Sprachkompetenz

Als „soft skills“ werden die Verbesserung der sozialen Kompetenzen und der Teamfähigkeit und das gesteigerte interkulturelle Bewusstsein erwähnt.

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