Einblicke in die Arbeit der ‚Bezirklichen Bündnisse für Wirtschaft und Arbeit‘ (BBWA)

Im Auftrag der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales moderiert und unterstützt ein Team von Beraterinnen der zgs consult GmbH alle 12 Bezirklichen Bündnisse für Wirtschaft und Arbeit. Nela Saathoff ist für Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow und Spandau zuständig.

Wie werden innerhalb der jeweiligen BBWA Themen und Schwerpunkte festgelegt?

Jedes Bündnis hat einen Aktionsplan mit Handlungsfeldern verfasst, in dem es die lokalen Problemlagen und Bedarfe benennt. Träger können dann im Rahmen der PEB- oder LSK-Ideenaufrufe Vorschläge für Projekte einreichen, die idealerweise einen Beitrag zur Lösung eines beschriebenen Problems leisten. Die Projekte richten sich an langzeitarbeitslose oder erwerbslose Menschen, die häufig auch sozial isoliert sind und/ oder verschiedene Vermittlungshemmnisse haben: u.a. ältere Menschen (über 54), Alleinerziehende, gesundheitlich eingeschränkte Personen, Geflüchtete, Menschen mit Migrationsgeschichte. Ziel ist, ihre Beschäftigungsfähigkeit zu erhöhen, indem Kompetenzen erhöht werden und sie z.B. durch Praktika näher an den Arbeitsmarkt herangeführt werden. Außerdem sollen die Menschen stärker sozial integriert werden, indem sie z.B. Hilfs- oder Freizeitangebote im Bezirk kennen lernen.

Wie unterscheiden sich diese Förderprogramme?

Die Förderinstrumente, die den Bündnissen zur Verfügung stehen, sind ESF- bzw. EFRE finanzierte Instrumente. Gefördert werden unterschiedliche Projektarten: Bei LSK (Lokales Soziales Kapital) geht es um Mikroprojekte: niedrigschwellige Projekte mit bis zu 7 Teilnehmenden, die auch Einzelpersonen durchführen können. Bei PEB (Partnerschaft – Entwicklung – Beschäftigung) geht es um größere Modellprojekte, die bis zu drei Jahren laufen und sozial innovative Ansätze erproben.

Das dritte Förderinstrument, WDM (Wirtschaftsdienliche Maßnahmen), zielt auf die Förderung und Stärkung der Wirtschaft auf bezirklicher Ebene. Gefördert werden nichtinvestive Infrastrukturmaßnahmen mit besonderer Wirkung auf die KMU. Es gibt deutschlandweit nicht viele Bündnisse, die auf lokale Ebene agieren, die finanziell so gut ausgestattet sind.

Auf welchen Ansätzen basieren die Projekte, die gefördert werden?

Die Ansätze sind ebenso unterschiedlich wie die Zielgruppen.  Es geht von theaterpädagogisch / körperorientierten Ansätzen, kombiniert mit Jobcoaching, zum praxisorientierten Einblick für interessierte Quereinsteiger in Beschäftigungsmöglichkeiten im frühkindlichen Erziehungs- oder in Bildungsbereich. Ein Verein bietet gesundheitspräventive Sportangebote für Geflüchtete an, dazu Beratung und Coaching zu arbeitsmarktorientierten Fragen. Bei einem Projekt für Alleinerziehende bereiten sich diese mit Methoden zur Stärkung ihrer Gesundheit und ihres Selbstwertes auf den beruflichen Wiedereinstieg vor. Geflüchtete Frauen werden von Unternehmerinnen als Mentorinnen begleitet, um Kompetenzen aufzubauen. Ein Projekt, das sich an erwachsene und gering literalisierte Menschen richtet, kombiniert Grundbildungsunterricht mit berufspraktischen Erprobungen. Künstlerinnen und Künstlern wird die wissenschaftlich begleitete Kooperation mit Unternehmen angeboten, um Handlungsfelder und Verdienstmöglichkeiten für Kreative zu öffnen.

Welche Kooperationen und Netzwerke sind im Rahmen der Arbeit dieser Projekte entstanden?

Im BBWA-Arbeitskreis „Neue Wege in Beschäftigung“ in Friedrichhain-Kreuzberg findet ein regelmäßiger Austausch zwischen ca. 15-20 Projektträgern und Vertreter*innen des Bezirksamts und des Jobcenters statt. Die BBWA-Geschäftsstelle lädt dazu ein, informiert über Aktivitäten und Entwicklungen im BBWA, und die Träger bringen eigene Themen und Bedarfe ein, zu denen es einen Austausch gibt. Oft werden auch externe Expert*innen eingeladen für Inputs. Zum BBWA-Stammtisch in Lichtenberg kommen regelmäßig 30-40 Vertreter*innen von Trägern und von verschiedenen Fachbereichen des Bezirksamts, außerdem des Jobcenters, einer dortigen Hochschule und des Lichtenberger Unternehmervereins zusammen. Die Mitglieder erhalten Fachinputs und suchen interessante Projekte auf; Ihnen werden Führungen durch die Betriebe der Kooperationspartner angeboten.

Außerdem hat jedes PEB-Projekt einen Beirat. Die Beiräte der PEB-Projekte treffen sich zweimal im Jahr, um über das jeweilige Projekt informiert zu werden und es mit eigener Expertise oder mit Kontakten zu unterstützen. Die Zusammensetzung der Beiräte ist heterogen: es kommen Vertreter*innen der Jobcenter, der Fachbereiche des Bezirksamts, ggf. auch von Hochschulen oder anderen öffentlichen Einrichtungen sowie Kooperationspartner der Träger zusammen. Diese Vernetzung und interdisziplinäre Begleitung der Projekte ist häufig fruchtbar und fördert Synergien, neue Kontakte und auch Erkenntnisse zutage, die den Projekten zugutekommen und sie bei der Erreichung ihrer Ziele unterstützen.

Wie kommunizieren die BBWAs untereinander?

Es gibt regelmäßige Erfahrungsaustausche, die die zgs consult GmbH als Dienstleisterin der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit, Soziales organisiert. So z.B. das regelmäßige Treffen der Geschäftsstellen auf überbezirklicher Ebene. Dort tauschen sich die Leiter*innen zu aktuellen Entwicklungen in ihren Bezirken, zur Strategie und zu operativen Fragen aus. Vor Corona haben wir Beraterinnen der zgs consult GmbH auch Exkursionen organisiert, um z.B. zu erfahren, was andere Kommunen an Netzwerkarbeit machen oder welche innovativen Ansätze sie erproben. Darüber hinaus gab es gerade während der Pandemie intensiven Erfahrungsaustausch zwischen Trägern laufender Projekte. Es ging von allem um die Möglichkeiten, ihre Angebote aufrecht zu erhalten und ihre Projektziele zu erreichen, wenn die Teilnehmenden nicht mehr persönlich, sondern bestenfalls digital erreicht werden konnten.

Findet Wissenstransfer zu den Projektergebnissen statt?

Die Projektergebnisse werden in der Regel den Entscheidungsgremien der Bündnisse vorgestellt, und auch über die zentrale Öffentlichkeitsarbeit wird präsentiert, was die Projekte erreicht haben (www.bbwa-berlin.de). Was Transfer und Mainstreaming betrifft: Bei der aktuellen Förderstruktur wird vor allem die Umsetzung von Projekten finanziert und weniger deren Entwicklungs- oder Transferphase. Grundsätzlich wäre es für ein qualitativ anspruchsvolles Projekt sehr wichtig, einen zeitlich adäquaten Vorlauf und eine finanzierte Entwicklungsphase zu haben, um Problemstellungen ausreichend definieren, multiperspektivisch Lösungen entwickeln und innovative Ansätze erproben zu können. Das ist mit den finanziellen Ressourcen und Bestimmungen der aktuellen Förderinstrumente nicht realisierbar. Für die neue Förderperiode haben sich die Bündnisse bemüht, einen Vorschlag für ein zukünftiges Förderinstrument im Rahmen des neuen ESF+ zu machen, und wenn das kommen sollte, könnte die Entwicklungsphase ermöglicht werden, die im Idealfall in die Umsetzung von Modellprojekten überführt werden kann. Transfer und Mainstreamig könnten dann als wichtige Aspekte von Anfang an mitgedacht werden. Zwar sind diese auch jetzt immer wieder ein Thema bei den Treffen, die wir Berater*innen mit den Projektträgern haben, aber das kann noch besser werden.

Gibt es auch Projekte mit Partnern aus anderen europäischen Ländern?

Meines Wissens nicht. Sollte in der neuen Förderperiode das von den Bündnissen vorgeschlagene ESF-Förderinstrument LSI („Lokal-Sozial-Innovativ“) tatsächlich zur Verfügung stehen, dann sind die Bezirke gefordert, Entwicklungspartnerschaften innerhalb und möglicherweise auch bezirksübergreifend aufzubauen. Das ist schon herausfordernd genug!

Was erwarten Sie von der neuen Förderperiode?

Dass die Bezirke ihre Bündnisse mehr nutzen. Die Bündnisse wollen den Bezirken bei der Entwicklung und Erprobung innovativer Ansätze zur Lösung lokaler, sozialer und wirtschaftlicher Herausforderungen und Probleme zur Verfügung stehen. Die sozialen Probleme sind heutzutage sehr komplex und miteinander verwoben. Deshalb wäre es aus der Sicht der Bündnisse wichtig, verstärkt kooperativ, partizipativ, fachbereichsübergreifend und interdisziplinär an Probleme und Fragestellungen heranzugehen und auch Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um innovative Ansätze entwickeln und erproben zu können. Wir haben im Bündniszusammenhang die Erfahrung gemacht, dass auf kommunaler Ebene vielerorts neuartige, offene Institutionen entstehen (‚kommunale Labore‘). Dort entwickeln Akteure aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft, Bürgerschaft und Forschung gemeinsam „auf Augenhöhe“ mit methodengestützten Verfahren neue, praxisnahe soziale Lösungen, u.a. für neue Formen der Arbeitsförderung. Wenn die Bündnisse sich in der kommenden Förderperiode von dieser neuen kommunalen Praxis das eine oder andere abschauen und auf ihren Kontext anpassen würden, dann könnten sie und damit die Bezirke einen Beitrag zum sozialen Wandeln leisten, der mit Blick auf die zukünftigen Herausforderungen notwendig ist.

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